Oman

The road to Khasab

„Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist grau.“ Seit zwei Stunden fahren wir mit dem Auto Richtung Norden. Hinter den Wolkenkratzern von Dubai ist der Ausblick öde geworden. Große, schnurgerade Schnellstraßen führen durch kleine, staubige Städte. Das Land ist flach und farblos. Im Westen zeichnen sich in Abständen die Silhouetten von Hochhäusern ab: die Stadtzentren der nördlichen Emirate Sharjah, Ajman, Umm al-Quwain und Ras al-Khaimah. Ansonsten nichts, was den Blick fesselt. Bis aus dem Dunst plötzlich das Hadschar-Gebirge auftaucht – eine dunkle Steinwand, die sich ohne Vorwarnung aus der Wüste erhebt. Dahinter: Musandam, unser Urlaubsziel.

„I spy with my little eye something that is grey.” For the last two hours, we have been driving north. Since we left Dubai’s skyscrapers behind us, the view has become somewhat dull. Big, dead straight highways pass through small dusty towns. The land is flat and without colour. To the West, the flatness is occasionally broken by silhouettes of high-rise buildings – the city centres of the northern Emirates: Sharjah, Ajman, Umm al-Quwain and Ras al-Khaimah. Apart from that, nothing that catches the eye. Until suddenly through the haze the Hajar Mountains come into view – a dark stone wall rising from the desert without warning. Behind it: Musandam, our holiday destination.

Hajar Mountains

Musandam heißt der nördliche Landzipfel – die Stiefelspitze – der Arabischen Halbinsel. Er gehört zum Oman, ist allerdings auf der Landseite von den Vereinigten Arabischen Emiraten eingeschlossen. Deshalb müssen wir am Fuße der Felsen die Grenzstation Tibat passieren. Wir parken das Auto auf einem kleinen Parkplatz und holen uns in einer tiefgekühlten Halle mit glänzendem Fußboden unser Visum und einen Passierschein. Diesen zeigen wir anschließend am Grenzhäuschen vor und werden durchgelassen. Wir fahren durch ein Stück Niemandsland und dann die gleiche Prozedur auf der omanischen Seite. Sogar die Gebäude in ihrer eigentümlichen Grandeur sind sich zum Verwechseln ähnlich, nur dass das Bild hinter dem Beamten nicht Sheikh Khalifa zeigt, sondern Sultan Qaboos.

Musandam is the name of the northern tip of the Arabian Peninsula. It belongs to Oman but is enclosed by the United Arab Emirates. That’s why we have to cross the border near Tibat. We park our car in a small parking lot to get our visa in a freezing hall with shiny floors. At the actual border post we only have to show a stamped piece of paper the officials have given to us. After that we pass through a strip of no-man’s-land and repeat the same procedure on the Omani side of the border. Even the buildings look very similar in their peculiar grandeur, except that the picture behind the clerks show Sultan Qaboos instead of Sheikh Khalifa.

Coast of Musandam

Nachdem wir die Grenzformalitäten erledigt haben, führt uns die Straße um die schroffen Felsen herum und eröffnet uns einen spektakulären Blick. Vor uns fällt das Gebirge steil ins Meer. Die Straße schmiegt sich an den Berghang und folgt dem zerfurchten Küstenverlauf. Am liebsten würden wir sofort wieder anhalten und fotografieren, aber die Straße ist schmal und kurvig. Nach einer Viertelstunde Ah’s und Oh’s zieht sich das Gebirge ein Stück zurück und gewährt eine schmale Ebene, die Platz für ein kleine Stadt lässt: Bucha.

With the border formalities behind us, the road is leading us around the rugged cliff and offers us a spectacular view. The mountains seem to rise straight from the sea and the road is winding along the craggy coastline. We would love to stop to take pictures but the road is narrow and twisting. After fifteen minutes of ah’s and oh’s the mountains recede a bit and leave a narrow strip of flat land with enough space for a small town: Bukha.

Bukha Fort

Direkt neben der Küstenstraße ragt eine Festung empor. Die glatt geputzten Mauern und pittoresken Zinnen der 1990 restaurierten Burg lassen nicht erkennen, dass ihre Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Auf einem Hügel thront die Ruine von Al Qala. Das Fort hat vermutlich seit dem 17. oder 18. Jahrhundert die Gebirgsseite der Stadt bewacht. Oder sie diente als Aussichtspunkt, um über das Meer kommende Angreifer frühzeitig zu erspähen. Denn von dort oben bietet sich ein fantastischer Ausblick über die Stadt und den Persischen Golf.

A squat fort is rising next to the coastal road. The smooth plastering and picturesque crenellations of its 1990 refurbishment belie the castle’s history that reaches back to the 16th century. On a nearby hill loom the ruins of Al Qala. Presumably they belonged to a watchtower in the 17th and 18th century, either guarding the mountainside of the town or watching the sea for invaders. Today it’s a perfect stop to enjoy the view over the town and the Persian Gulf.

Al Qala Fort

Es mutet seltsam an, dass so ein verschlafenes Nest, isoliert zwischen unwegsamen Bergen und dem weiten Meer, gleich zwei historische Festungen aufweist. Nicht weniger sonderbar erscheint es, dass die omanische Regierung an dieser kargen, dünnbesiedelten Gegend fernab des Kernlandes festhält, obwohl die Unterhaltskosten die Steuereinnahmen weit übersteigen dürften. Der Grund für die Aufmerksamkeit liegt in Musandams strategischer Lage an der Straße von Hormus. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist schon seit der Antike ein stark befahrener Seeweg. Heute passieren täglich rund 17 Millionen Barrel Öl (laut einer Statistik aus dem Jahr 2011 etwa 20 Prozent des Weltbedarfs) die Straße von Hormus auf großen Tankern. Dass die Nordseite der Meerenge von Iran kontrolliert wird, sorgt zusätzlich für politische Brisanz, wie wir in den letzten Monaten mal wieder erfahren durften.

How curious that such a sleepy backwater, isolated by impassable mountains and the wide sea, should have not just one but two historical forts. And it seems even stranger that the Omani government keeps holding on to this scraggy and sparsely populated area so distant from its heartland, where the maintenance cost surely must outstrip the tax income. This attention is due to Musandam’s strategic location at the Strait of Hormuz. The sea gate between the Persian Gulf and the Gulf of Oman has been a busy sea route since ancient times. Today, about 17 million barrels of oil (20 percent of world oil demand according to a 2011 statistic) pass the Strait of Hormuz every day in the bellies of big tankers. And that the northern side of the strait is controlled by Iran in only adding political explosiveness, as we could experience over the last couple of months.

Bukha

Aber davon ist auf unserer Urlaubsreise nichts zu spüren. Bucha liegt träge in der Mittagssonne. Hinter uns ragt stumm das Hadschar-Gebirge auf, und vor uns streckt sich das glatte Meer bis zum Horizont. In seiner Brise liegt der Duft von Urlaub. Bis nach Chasab, der regionalen „Hauptstadt“, sind es noch vierzig Minuten entlang der Küstenstraße – jede Biegung ein Erlebnis. Und das ist erst der Anfang …

But nothing of all that is perceptible during our holidays. Bukha is lying languidly in the midday sun. Behind us rise the utterly silent Hajar Mountains, and in front of us the calm sea stretches to the horizon. Its breeze carries the scent of holidays. To Khasab, the regional “capital”, it’s another 40-minute drive along the coastal road – every corner an eye-opener. And that is just the beginning …

Watchtower Al Qala

5 replies »

  1. Liebe Peggy,
    ich bin schon sehr neugierig zu lesen, wie euer Urlaub weiter verläuft. Tolle Fotos von zwei Ländern, die mir so fremd sind.
    Viele Grüße aus dem grauen Berlin von Susanne

  2. Liebe Peggy,
    ich bin dir auch sehr gerne und neugierig die Küstenstraße entlang gefolgt und habe die sehr fremden und grauen und kargen Landschaften und die sehr fremd wirkende Stadt bestaunt. In Bucha ohne Auto zu leben, scheint bei den Entfernungen zwischen den Gebäuden auch eher unmöglich. Nun bin ich jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.
    Viele Grüße, Claudia

  3. Hallo Peggy,
    ein ganz prima Reisebericht: man erlebt Eure Tour wunderbar mit. :) Danke!
    Apropos “Emirate Sharjah, Ajman, Umm al-Quwain und Ras al-Khaimah”: die kannte ich frueher nur von Briefmarken [als ich die in meiner Jugend noch gesammelt habe]. Damals waren diese Emirate unter Briefmarkensammlern beruechtigt, weil sie schoen aussehende, aber fuer die dortige Post absolut unnuetze [weil viel zu viele] Marken herausgaben, nur damit diese von Sammlern, die wenig Ahnung hatten, gekauft wurden und so Devisen ins Land brachten Einen Sammlerwert hatten die Marken nicht.
    Liebe Gruesse, und ich freue mich schon auf weitere Berichte und Fotos,
    Pit
    P.S.: Ich hoffe, Ihr habt/hattet einen schoenen Urlaub.

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