Dubai-Tagebuch

Coming Home

26. August, 8:00 Uhr: Noch steht die Sonne tief am stahlblauen Himmel und wirft lange Schatten. Das Thermometer zeigt 35 Grad. Eine leichte Brise hat die für diese Jahreszeit typische hohe Luftfeuchtigkeit für einige Stunden verjagt. Sie trägt den süßen Duft von Frangipaniblüten, vermischt mit einer Prise Abgasgeruch und Sand von der nahegelegenen Straße und der dahinter liegenden Wüste herüber. Der Würgegriff des Sommers beginnt, seine Kraft zu verlieren. Im Schatten der Bäume und zwischen Büschen hocken Gärtner und jäten. Die Wege hingegen schlängeln sich ausgestorben an Carports vorbei, unter denen viele Autos eine dicke Staubschicht tragen. Ein Großteil der Expats kommt erst in einer Woche zurück nach Dubai, wenn die Schule wieder beginnt. Uns hat die Arbeit schon etwas früher zurückgerufen. Deshalb bringe ich den Kleinen Entdecker in die Ferienspiele, die bequemerweise in der Schulsporthalle stattfinden. Nach den zwanzig Minuten Fußweg tropft mir der Schweiß vom Kinn und ich atme auf, als ich in unser auf 27 Grad gekühltes Haus trete. Gierig trinke ich ein Glas Wasser, trockne mir das Gesicht ab und setze mich an den Schreibtisch. Zeit, endlich mal wieder einen Blogpost zu verfassen.

26th August, 8am: The sun still hovers low over the horizon, casting long shadows. 35 degrees Celsius under a steel blue sky. A light breeze has – at least for now – chased away the high humidity that usually makes the summer in Dubai so unbearable. It carries the sweet smell of frangipani blossoms mixed with a hint of traffic fumes and sand from the nearby road and the desert behind it. Summer’s suffocating grip starts to lose its strength. In the shade of trees and among the bushes gardeners are busy weeding. The footpaths, however, are deserted, and the cars in the carports still covered by a thick layer of dust. With the school year only starting at the beginning of September, many expats will wait another week before returning to Dubai. Work has called us back earlier. So, I’m bringing Kleiner Entdecker to the holiday camp that conveniently takes place in the school gym. After the twenty minute walk, my face is dripping. A sigh of relief escapes my lips when I enter our 27 degrees cool house. Greedily I drink a glass of water, dry my face and sit down at my desk. Time to write a new blog post.

Door - Tür

2019 war bislang ein dermaßen ausgefülltes Jahr, dass für meinen Blog einfach keine Zeit blieb. Angefangen hat es mit einem erneuten Umzug – hoffentlich dem letzten für die nächsten paar Jahre. Nach sorgfältigen Überlegungen haben wir beschlossen, uns wieder in Bodennähe niederzulassen. Auch wenn es keine Garantien in der modernen Arbeitswelt gibt, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir hier in Dubai vielleicht doch etwas länger Wurzeln schlagen. Und so haben wir ohne großes Bedauern den Balkon im 24. Stock über der zwölfspurigen Sheikh Zayed Road gegen ein Gärtchen in einer nahegelegenen Villengegend eingetauscht. Selbstverständlich keine, wo die Schönen und Reichen wohnen. Alle Eigenheime, auch die weit verbreiteten Reihenhäuser, werden hier großspurig Villa genannt. Wir leben jetzt also in einer Villa. Zur Schule laufen wir zehn Minuten, zum Community Pool zwei. Und das Beste ist, sobald das Wetter wieder erträglicher wird, können wir im Garten sitzen – das heißt, wenn mein Mann bis dahin das Sonnensegel geflickt hat, das ein Frühjahrssturm abgerissen hat. So ein Haus mit Garten bringt eben auch ein bisschen Arbeit mit sich.

2019 has been such a busy year so far, that there was no time left for my blog. It started out with another move – hopefully the last one for some time. After careful consideration, we have decided to settle down nearer to the ground again. Even though there are no guarantees in the modern labour market, we feel it quite likely that we will put down roots here in Dubai for a bit longer. So, without much regret, we changed our 24th floor balcony overlooking the twelve-lane Sheikh Zayed Road for a little garden in a nearby neighbourhood. Our villa is not a grand one – the term being not just used for great mansions, but also for the widely common terraced houses – but it’s our own. We are walking ten minutes to school and two to the community pool. But the best is: As soon as the weather becomes more bearable, we can sit outside in the garden – that is, if my husband manages to repair our sun sail, which was damaged during a spring storm. Well, there is no denying it: A house and garden require their own attention and sometimes a lot of it.

Spuren im Sand

Mit dem Umzug bin ich, genau wie mit meiner Arbeit als Deutschlehrerin, ein Stückchen mehr angekommen. Dubai ist mein gefühltes zu Hause, auch wenn bei dem Gedanken gewisse Ambivalenzen mitschwingen. Das nennt man wohl Kulturschock.

The move as well as my work as a German teacher have helped me a great deal to arrive not just physically, but also emotionally. Dubai feels like home now, though the thought is still accompanied by ambivalent undercurrents. But I guess, this is what they call culture shock.

Schatten im Sand

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14 replies »

  1. Liebe Peggy, hab vielen Dank für deine wunderschönen Zeilen, obwohl ich dich in Dubai nicht beneide! Wir hatten hier im Tessin diesen Sommer oft 37 Grad und mehr und jetzt ist es freucht und behagt mir nicht. Wahrscheinlich wäre England genau richtig für mich. Tanti auguri e cari saluti Martina

    • Danke, liebe Martina. Auch bei meiner Familie im Norden Deutschlands gab es zeitweise eine Hitzewelle, die sich mit Dubai messen konnte. Wir haben hier zumindest den Vorteil, dass die Häuser mit Klimaanlagen ausgestattet sind. Liebe Grüße, Peggy

    • Herzlichen Dank! Den Jahreszeitenwechsel vermisse ich in der Tat. Nicht so sehr die typischen nasskalten, schneelosen Winter in England, aber dafür Frühling und Herbst um so mehr. Ich winke zurück über den großen Teich!

  2. Das hört sich sehr heimelig an, liebe Peggy, ein ebenerdiger Garten ist doch etwas schönes! Wir machen es uns in Berlin weiterhin im 4. Stock auf dem Balkon gemütlich, diesen Sommer mit Strohdach und neuem Tisch für einen Elektrogrill.
    Ich habe mich sehr gefreut, von dir zu lesen. Ich wünsche euch viel Glück in eurem neuen Haus,
    Liebe Grüße, Susanne

    • Danke, liebe Susanne! Du wohnst aber auch richtig schön. Wir haben unseren Balkon kaum genutzt, weil es dort wegen der Straße, die ja fast so was wie eine Stadtautobahn ist, viel zu laut war. Jetzt können wir in der kühleren Jahreszeit sogar bei offenen Fenstern schlafen und hören Grillen zirpen und Vögel zwitschern. Das ist viel Wert. Liebe Grüße in die Heimat, Peggy

      • Wie schön, Peggy! Grillen können wir leider auch nicht zirpen hören. Wir haben immer so eine Sommer-Sonne-Freibad Geräuschkulisse, da wir ja unten das gut gehende Restaurant vor der Tür haben. :-)
        Liebe Grüße in die Ferne von Susanne

  3. Ich tue mich immer noch schwer damit, dich in Dubai zu verorten zu müssen und bin immer noch von leiser Trauer angefasst, wenn ich an die alten Zeiten deines alten Blogs denke. Er fehlt mir. Jedoch bewundere ich deine Fähigkeit zur Mobilität und eure Bereitschaft, sich radikal auf Neues einzustellen.

    Weiterhin alles Gute für euch, vor allem auch für den größer werdenden kleinen Entdecker.

    Liebe Grüße

    Achim

    • Ja, Achim, mir geht das in mancher Hinsicht auch so. Der Englandblog ging mir auch gut von der Hand, der kam ohne großes Zutun. Hier geht es mir anders. Nicht, weil es nichts Interssantes zu berichten gäbe, sondern weil meine Stimme hier noch nicht gefunden habe. Anders kann ich es nicht beschreiben. Aber ich glaube, das liegt daran, dass ich in England keinen Kulturschock erlebt habe, hier aber dafür umso mehr. Das fühlt sich nicht immer komfortabel an, ist aber auch spannend. Und vielleicht finde ich ja Ausdrucksmöglichkeiten dafür auf dem Blog. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Ganz liebe Grüße, Peggy

      • Hm, vielleicht wäre es für dich auch grundsätzlich hilfreich, mehr über diesen Kulturschock zu berichten. Eine innere Stimme dafür zu finden. Mich würde sehr deine innere Befindlichkeit interessieren, auch den Umgang mit diesem Kulturschock.

        Liebe Grüße
        Achim

        • Absolut. Ich merke selbst, wie es in mir rumort, auch wenn ich noch keine Worte dafür habe. Aber nachdem ich alle Tränen geweint hatte, habe ich beschlossen, diese Entscheidung, die uns die äußeren Umstände aufgenötigt haben, als Chance zu begreifen, mich selbst weiterzuentwickeln. Liebe Grüße, Peggy

  4. Liebe Peggy, schön, von dir zu hören! Das mit dem Kulturschock kann ich gut verstehen, ich kann mir gar nicht recht vorstellen, in Dubai zu leben. Ich hoffe, ihr verlebt schöne Jahre dort! Und es freut mich, dass ihr nicht mehr in so einem Hochhaus-Ungetüm wohnt!
    Liebe Grüße
    Anette

  5. Hallo Peggy, ich habe mich mächtig gefreut, wieder einmal von dir hier zu lesen!
    Auch in meinen Augen ist es eine ganz entscheidende Verbesserung und spürbare Steigerung der Lebensqualität, wenn man nicht an einer derart viel befahrenen und lauten Straße im Hochhaus mit nicht benutzbarem Balkon lebt. Echt schön, dass ihr eine “Villa” für euch entdeckt habt und es fast schon idyllisch zugeht (Grillengezirpe etc.). Auch das mehr Ankommen durch deine Aufgabe als Deutschlehrerin klingt sehr positiv.
    Was ich in den Kommentaren über den erlebten Kulturschock und überhaupt über die Schwierigkeiten mit der Umstellung nach der erzwungenen Neuausrichtung herausgelesen habe, kann ich nachvollziehen. Wie Achim schon schrieb, solltest du es in Worte fassen können und auch hier darüber schreiben wollen, wäre auch ich sehr interessiert, mehr dazu zu erfahren (wenn es nicht zu neugierig ist).
    Bis zum Wiederlesen! Alles Gute dir, deinem Mann und deinem Sohn!

    LG Michèle

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