Dubai

Digging in the past: Jumeirah Archaeological Site

Wer heutzutage durch eine der modernen, klimatisierten Malls in Dubai schlendert, kann sich nur schwer vorstellen, dass Menschen hier seit gut tausend Jahren zusammentreffen, um Waren und Informationen auszutauschen. Die Emirate sind nämlich nicht auf dem historischen Niemandsland gebaut, das ihnen gerne unterstellt wird. Zugegeben, Spuren früherer Zeiten sind kaum erhalten. Aber es gibt sie, und mit ein bisschen Beharrlichkeit lassen sie sich sogar finden.

If you walk through one of Dubai’s modern, air-conditioned malls today, it’s hard to imagine that people have gathered here for at least a thousand years to exchange goods and information. Indeed, contrary to wide-spread belief, the region that holds the Emirates today has a history that stretches as far back as civilization itself. Though most traces of previous cultures have vanished, some have survived, and – with a bit of perseverance – can even be found.

 

Satellite picture of Jumeirah Archaeological Site

Die südliche Küstenregion des Arabischen Golfs diente viele Jahrhunderte als Handelskorridor zwischen den florierenden Häfen des Omans und den wohlhabenden Städten Vorderasiens. Kamele transportierten kostbare Waren aus Indien oder Sansibar ins Landesinnere. Die Reise war strapaziös und nicht ohne Risiko. Um den Gefahren durch Räuber und Unbilden der Natur besser trotzen zu können, schlossen sich Händler für gewöhnlich zu großen Karawanen zusammen. Entlang des Handelswegs wurden Karawansereien gegründet. Das waren Rasthäuser, um die sich meist auch kleine Siedlungen bildeten. Die Überreste einer dieser Karawansereien wurde 1969 in Dubais Stadtteil Jumeirah freigelegt.

For centuries the south coast of the Arabian Gulf served as a trading corridor between the flourishing Omani ports and the wealthy cities of the Middle East. Camels brought precious goods from India or Zanzibar upcountry. The journey was exhausting and not without risk. To reduce the dangers from the unforgiving climate as well as robbers traders joined forces and travelled in caravans. Caravanserais were founded along the route – resting places that often bloomed into small settlements. In 1969 the remains of one of those caravanserais were unearthed in Jumeirah, a district in the heart of modern Dubai.

The residential streets in Dubai are often numbered

Die Ausgrabungsstelle befindet sich nahe am Nordufer des Dubai Canals zwischen zwei großen Hauptverkehrsadern, der Jumeirah Street und der Al Wasl Road, ist jedoch in ein feines Netz aus Anliegerstraßen eingesponnen. Wir fahren durch ein Labyrinth nummerierter Straßen, die allerdings nicht immer einer mathematischen Logik folgen. Jumeirah ist ein Wohngebiet der Gutbetuchten. Riesige Villen verstecken sich hinter mannshohen Mauern, über die grüne Zweige und pinke Blüten quillen – die einzigen Lebenszeichen in den ansonsten ausgestorbenen Straßen. Nirgendwo gibt es ein Hinweisschild, das vermuten lässt, dass in der Nähe eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Dubais liegt. Aber der Kreis, in dem uns das Navigationssystem führt, wird enger. Das macht Hoffnung. Und endlich wird die Eintönigkeit der sandfarbenen Mauern durchbrochen. Wir schauen auf einen Zaun, der eine unbebaute Fläche umschließt. Die Wandbilder, die in regelmäßigen Abständen in den Zaun eingelassen sind, bestätigen, dass wir unser Ziel erreicht haben.

Jumeirah Archaeological Site rests near the north bank of the Dubai Canal between the two traffic arteries Jumeirah Street and Al Wasl Road. The site itself is hidden in a maze of small residential streets which, though numbered, are not arranged in mathematical order. Jumeirah is a residential area for the well-to-do, huge villas hidden behind high walls, over which green branches and pink blossoms tumble – the only life signs in otherwise deserted streets. No sign betrays that one of the most important archaeological finds in Dubai is anywhere nearby. But the circles, in which we are following the satnav, are becoming smaller and smaller – raising our hope. Finally, the monotony of sand-coloured walls breaks away and we look upon a fence that encloses a seemingly empty space. The murals, that have been inserted into the fence at regular intervals, confirm that we have arrived at our destination.

A decorative fence runs around Jumeirah Archaeological Site

Mehrere Internetquellen behaupten, dass Jumeirah Archaeological Site frei zugänglich sei. Wir können jedoch keinen Eingang erkennen, also umrunden wir das rechteckige Areal. Auch auf der anderen Seite scheint alles ausgestorben, aber am nordwestlichen Ende der Ausgrabungsstelle steht ein Gebäude, an dem offenbar gebaut wird. Folienfetzen flattern wie Gardinen hinter scheibenlosen Fenstern. Das Tor neben dem Haus ist leider verschlossen. Ein Sicherheitsmann kommt heraus. In gebrochenem Englisch gibt er uns zu verstehen, dass Jumeirah Archaeological Site für Restaurierungsarbeiten geschlossen ist. Wie lange? Vielleicht sechs Monate. In dem neuen Gebäude soll ein Museum eingerichtet werden, entnehmen wir der holprigen Unterhaltung. Das hört sich gut an, finden wir, auch wenn der heutige Ausflug nicht ganz so verlaufen ist wie erwartet. Erfreulicherweise sind die Fundamente der freigelegten Gebäude aber auch von außen erkennbar.

Several internet sources claim that Jumeirah Archaeological Site is freely accessible. As we cannot see an entrance, we decide to drive a last circle around the rectangular area. The other side looks just as deserted. But at the north-western end of the dig we see a building that seems to be under construction. Threads of construction foil flutter in unglazed windows like gauze curtains. The gate next to the building is closed. But we catch the attention of a security guard. In broken English he explains that the site is closed to the public do to conservation works. For how long? Maybe six months. From the doggerel conversation we deduct that the new building might become a museum. That sounds promising even though our excursion did not come to anything so far. At least the basements of the excavated buildings are visible from outside.

The basements of an Abbasid settlement have been carefully restored.

Die Karawanserei und die umliegenden Wohnhäuser stammen aus der Zeit der Abbasiden, die zwischen 750 und 1258 große Teile Vorderasiens und Nordafrikas beherrschten. Laut der spärlichen Informationen im Internet reichen einige Funde sogar bis ins 6. Jahrhundert, also in die vorislamische Zeit, zurück. Und auch nach dem Fall der Abbasiden unter dem Ansturm der Mongolen wurde der Ort weiter bewohnt  – vermutlich bis ins 18. Jahrhundert hinein. Bis auf die Gebäudeüberreste befinden sich die Fundstücke derzeit im Dubai Museum. Aber das besuchen wir ein andermal.

The caravanserai and the surrounding residential buildings date back to the Abbasids who dominated large parts of the Middle East and North Africa between 750 and 1258. According to the sparse information I found online some artefacts even date back to the pre-Islamic 6th century. And even after the fall of the Abbasids under the Mongol attacks the settlement was still used – probably until the 18th century. Except for the building remains that lie scattered on the large sand pit the excavated items have been brought into the Dubai Museum, where some of them are on display. But that visit we save for another time.

Jumeirah Archaeological Site in front of the Dubai Skyline

16 replies »

  1. Nun ist aus Neuland also Sand und mehr geworden – sehr gelungen, liebe Peggy! Ich hoffe, dass du diese archäologische Stätte bald besuchen kannst. Mir hat es immer Spaß gemacht, durch Ruinen zu wandern und mir vorzustellen, wie die Menschen vergangener Zeiten darin gelebt haben.
    Liebe Grüße, Petra

    • Danke. Noch sind die Umbauarbeiten am Blog nicht beendet, aber das schaffe ich hoffentlich noch bevor das Museum fertig ist. Ich vermute, dass es eines der vielen Projekte ist, die bis zur Expo 2020 fertig sein sollen.
      Als ich etwas über die Ausgrabungsstelle gelesen habe, war für mich auch gleich klar, dass ich dorthin muss. 😊

  2. Hübsch geworden, dein Umbau! Bin gespannt, was noch alles dazukommt und möchte dir versichern, dass ich auch weiterhin interessiert und staunend vorbeischauen werde …
    Liebe Grüße aus dem vorweihnachtlich trüb-dunklen Hamburg
    Christiane

  3. Wieder sehr spannend zu lesen, was dort früher einmal war! Interessant, wie, wann und dass dort die Handelswege verliefen und tatsächlich noch Spuren erhalten sind!
    Dass sich die Händler aus Sicherheitsgründen gern zu großen Karawanen zusammenschlossen, war mir aus anderen Gegenden auch bekannt, doch den Begriff “Karawanserei” habe ich bei dir jetzt zum ersten Mal gesehen. Wieder einiges gelernt!
    Peggy, ich finde speziell die letzte Aufnahme beeindruckend, weil sie den Gegensatz hervorragend hervorhebt! Klasse!

    Mal schauen, wie lange sich die Restaurierungsarbeiten hinziehen und wann es zur Fertigstellung eines Museums kommt. Apropos Restaurierung: Die Bauarbeiten an deinem Blog habe ich natürlich gleich mit betrachtet. ^^ Sehr schlicht und klar. Das gefältt mir sehr!

    LG Michèle

    • Herzlichen Dank, liebe Michele. Ja, Restaurierungsarbeiten – ob am Museum oder am Blog – brauchen ihre Zeit. Ich mache das ganz gemütlich. Es soll ja schließlich Spaß machen. :-) Den Ausblick mit dem Burj Khalifa im Hintergrund fand ich auch atemberaubend. Das hat etwas Surreales. Ich bleibe da auf jeden Fall dran. Ich kann mir gut vorstellen, dass das eines der vielen Projekte ist, die spätestens zur Expo 2020 fertig werden sollen. Liebe Grüße heute mal aus der grau-nassen Uckermark, Peggy

  4. Schön, wieder von dir zu lesen und zu lernen.
    Wollte unbedingt noch loswerden, dass ich – technisch bedingt – bei kaum einem Account den Like-Button anklicken kann. Also, ich les natürlich weiterhin bei dir mit und like deine Beiträge halt so im Stillen :-). Liebe Grüße Anna von Buchpost

    • Hallo, liebe Anna, ja, diese Technik. Ich war ganz froh, dass ich so ohne Weiteres meine Domain ändern und die alte gleichzeitig behalten konnte. Aber ich bin auch noch nicht ganz sicher, wie sich das auf alle Funktionalitäten auswirkt. Liebe Grüße, Peggy

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