Berlin

Bärlin oder wie die Stadt auf den Bären kam

Die Bären haben Berlin erobert. Im Stadtzentrum trafen wir an jeder zweiten Ecke auf einen dieser knuffigen Kumpels, die auf den international eingängigen Namen „Buddy Bär“ hören. Das Kunstprojekt, aus dem die bunten Bären hervorgegangen sind, läuft seit 2001 und wirbt mittlerweile weltweit für Frieden und Toleranz. Und natürlich haben sie auch unser Herz sofort erobert. Aber wie kommt es, dass ausgerechnet ein Bär zum Stadtmaskottchen wurde?

Die ersten Bären tauchten im 13. Jahrhundert im Berliner Wappen auf, wie ein Siegel aus dem Jahr 1280 zeigt. Warum ist leider nicht überliefert, aber es gibt mehrere Erklärungsansätze. Der erste geht davon aus, dass ein Bär Namensgeber der Stadt war – genauer gesagt, Albrecht der Bär, Eroberer und erster Markgraf von Brandenburg. Da es bislang keine archäologischen Funde gibt, die Albrecht zum Begründer der Stadt machen, ist diese These jedoch mehr als zweifelhaft. Denkbar ist auch, dass große Bärenvorkommen in den mittelalterlichen Wäldern ringsherum der Stadt ihren Namen einbrachten, zumal wenn Meister Petz’ Felle auf den städtischen Marktplätzen vertrieben wurden.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Name einen slawischen Ursprung hat, wie so viele Orte in der Region, die auf -in enden. Das slawische „brl“ bedeutete Sumpf, was Berlin zur Siedlung am Sumpf macht. Und tatsächlich war der Teil der Fischerinsel, der heute als Museumsinsel bezeichnet wird, lange Zeit ein Sumpfgebiet, wie vermutlich auch viele andere Gebiete am Spree-Ufer.

Als die Berliner Handelsleute ein Erkennungszeichen für Ihre Stadt suchten, kam möglicherweise ein heller Marketingkopf auf die Idee, den Namen der Stadt lautmalerisch umzusetzen. So wurde aus „Ber“ ein Bär. Im Mittelalter waren diese sogenannten „redenden Wappen“ der letzte Schrei.

Allerdings hat auch diese Theorie Kritiker. Sie behaupten, dass eine lautmalerische Umsetzung wohl eher zu einer Perle anstatt zu einem Bären geführt hätte, denn im Mittelhochdeutschen verstand man unter „berlein“ eine kleine Perle. Ob sich Kunstperlen auch so dekorativ im Stadtbild machen würden wie die Buddy Bären?

16 replies »

  1. Danke, liebe Peggy, fuer Deinen aufschlussreichen Artikel. Mary und ich haben diese knuffigen Gesellen auch immer sehr gemocht, wenn wir sie in Berlin [ja nun wirklich an jeder Ecke] gesehen haben. Hochinteressant finde ich Deine Ausfuehrungen ueber Marketing im Mittelalter. Da denkt man immer, so etwas gaebe es nur heutzutage!
    Liebe Gruesse,
    Pit

  2. Hi Peggy, und wieder habe ich was Neues gelernt :-) Wobei mir die Theorie mit dem Bären passender erscheint als die mit der Perle, bei der riesigen Stadt, die sie heute ist. Viele Grüße, Annette

  3. Liebe Peggy, ich fand die Sumpf-Theorie immer sehr eingängig, hat doch Berlin heute noch mit dem sumpfigen Boden beim Bauen zutun. Besondere Schwierigkeiten gab es beim Bau des neuen Eingangsbereichs für die Museumsinsel, wusste ein Stadtführer zu berichten, bei dem wir eine architektonische Führung unternahmen.
    Mein Vater muss für sein Haus eine höhere Versicherungssumme bezahlen, weil es in Havelnähe ist und besonders feucht und angeblich von Überschwemmungen durch Grundwasser gefährdet ist.
    Aber wer weiß schon, was die Menschen vor 500 Jahren dachten ;-)
    Danke für deinen gelungenen Bericht,
    liebe Grüße von Susanne

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