Dubai-Tagebuch

Licht am Horizont

Ein halbes Jahr wohnen wir nun in Dubai. Die Kisten sind mittlerweile alle ausgepackt, aber es hängen noch keine Bilder an den Wänden und Vorhänge gibt es bislang nur im Schlaf- und Kinderzimmer. Der Alltag hat uns eingeholt: Mein Mann geht jeden Morgen zur Arbeit, der Kleine Entdecker zur Schule und ich sitze zu Hause am Laptop und schreibe Texte für meine deutschen Kunden. Und weil wir am Wochenende lieber etwas unternehmen, anstatt mit Millionen anderen durch Einrichtungshäuser zu hetzen, haben wir es uns in dieser Unvollkommenheit bequem gemacht – vergessen die Abende, in denen ich Wohnzeitschriften nach orientalisch angehauchten Einrichtungsideen durchblätterte.

Alles in allem verläuft unser Leben also wieder in altbekannten Bahnen, und so langsam erarbeite ich mir die Stadt und baue mir einen lokalen Bekanntenkreis auf. Um der Gefahr einer sozialen Isolation als Expat-Ehefrau vorzubeugen, habe ich mich gleich zum Schuljahresbeginn beim ehrenamtlichen Elternverband angemeldet, einer kleinen Gruppe von Müttern, die hilft, Schulveranstaltungen auszurichten. Angesichts der unterschiedlichen Kulturen, die hier aufeinandertreffen, sind die regelmäßigen Meetings eine unerschöpfliche Quelle für Irritationen und eine wunderbare Gelegenheit, die menschliche Natur in all ihren individuellen Facetten zu studieren. Der Umstand, dass praktisch alle in einer Zweitsprache kommunizieren, die sie mal mehr, mal weniger gut beherrschen, lässt mich immer wieder staunen, dass wir überhaupt etwas zustande bekommen.

German Table at International Day

Letztes Wochenende haben wir einen International Day ausgerichtet und ich habe den deutschen Stand übernommen. Mein Mann hat Brot gebacken und ich Streuselkuchen. Auf Bier und Bratwurst mussten wir natürlich verzichten. Aber die Brezeln und sauren Gurken waren bei den Kindern der Renner. Effiziente Deutsche, die wir sind, hat mich mein Mann mit allem drum und dran vor der Schule abgeladen und wollte schnell unseren Wocheneinkauf erledigen, während ich den Tisch aufbaute und der Kleine Entdecker schon mal mit seinen Freunden das Schulgelände unsicher machte. Leider blieb mein Mann im Stau stecken. So war ich den größten Teil der Veranstaltung auf mich allein gestellt und konnte den Stand nicht verlassen, um mich nach anderen internationalen Leckereien umzuschauen. Zum Glück versorgten mich die anderen Mütter mit ungarischem Paprikás, moldauischen Teigtaschen, französischen Crêpes, spanischen Empanadas und indischem Biryani. Ansonsten wäre ich vermutlich vom Fleisch gefallen. Da sieht man wieder einmal, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist.

Januar und Februar sind, was das Wetter angeht, die angenehmsten in Dubai. Deshalb hatten wir in den letzten Wochen auch gleich mehrfach Besuch, was, neben einigen größeren Textprojekten und den Basteleien für den International Day, der Hauptgrund dafür war, dass ich keine Zeit zum Bloggen hatte. Dafür waren wir viel unterwegs. Zu den Highlights gehörten die Dancing Fountains, die täglich ab 18 Uhr vor der Dubai Mall stattfinden.

Dancing Fountains at Dubai Mall

Anlässlich des Chinesischen Neujahrsfestes erstrahlte der Burj Khalifa, der sich gleich neben der Dubai Mall in die Höhe reckt, in einer fantastischen Lasershow.

Lasershow at Burj Khalifa

Außerdem haben wir begonnen, das Umland von Dubai zu erkunden. In den Hajar Mountains an der Grenze zum Oman gibt es ein gut rekonstruiertes, wenn auch nicht sehr lebendiges Heritage Village. Und auf den umliegenden Bergen stehen noch einige alte Wachtürme.

Hatta Watchtower in Hajar Mountains, Dubai

Aber bevor ich tiefer in die Geschichte und Kultur der Emirate eintauche und beginne, Euch einige bekannte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten meiner neuen Heimat vorzustellen, drehe ich Globus und Zeit noch einmal etwas zurück. Ihr erinnert Euch sicherlich: Im letzten Sommer hat unsere Eisenbahnreise den Kleinen Entdecker und mich zuerst nach Paris geführt und anschließend nach Berlin. Was wir in der französischen Hauptstadt erlebt haben, habe ich bereits hier erzählt. Jetzt geht es auf nach Berlin!

Looking for Germany on a globe

25 replies »

  1. Schön, mal wieder etwas aus Dubai zu lesen! Ich dachte schon, du wärst aus dem Blogging-Kreis verschwunden. Welch ein abenteuerliches Leben ihr dort führt! Ich bin schon ganz gespannt, wie es weitergeht. Viele liebe Grüße aus dem noch kalten Kanada!

    • Danke, Peter. Leider kommt es bei mir öfter mal vor, dass ich mit dem Bloggen aussetze. Die Tage sind einfach zu kurz und das Leben zu spannend :-) Aber ganz aufgeben möchte ich nicht, weil mir mein Blog über die Jahre ans Herz gewachsen ist und ich über dieses Medium ja auch viele interessante Menschen kennenlerne. So mache ich, was geht und wurschtle mich so durch. Ganz liebe Grüße in den rauhen Norden, Peggy

  2. Hallo Peggy,
    schoen, einmal wieder von Dir hier zu lesen. :) Es freut mich, dass es Euch gut geht und dass Ihr Euch in der fremden Umgebung immer mehr/besser einlebt. Dabei weiterhin viel Erfolg.
    Danke fuer die Vorstellung dieser Umgebung.
    Macht’s gut, und liebe Gruesse aus einem so langsam fruehlingshaften Fredericksburg,
    Pit

    • Danke, Pit. Ob ich mich hier jemals richtig heimisch fühlen werde, wage ich zu bezweifeln. Aber, wie Du als Auswanderer ja sicherlich auch selbst mal festgestellt hast, ist das Allerwichtigste eine positive Grundeinstellung. Auch in England gab es immer wieder mal Dinge, die ich seltsam fand, hier ist der Kulturschock allerdings um ein Vielfaches größer. Das hat auch durchaus seine spannenden Seiten :-) Liebe Grüße aus dem ewigen Sommer, Peggy

      • Mit der positiven Grundeinstellung hast Du natuerlich Recht, liebe Peggy. Und einen Kulturschock jabe ich eigentlich nicht erlebt, weil ich sehr Vieles – auch die negativen Seiten – schon lange vor meiner Umsiedlung kannte, aus meinen Jahren als Englischlehrer.
        Zur Zeit, bei der unseligen politischen Lage hierzulande, faellt es mir aber immer schwerer, eine positive (Grund)einstellung zu behalten, insbesondere weil ich immer mehr erkenne [im Grunde kannte ich auch da Vieles schon aus dem, was ich in Vorbereitung meines Unterrichts gelesen habe], dass die politischen Rahmenbedingungen, die z.T. [Verfassung] eben schon seit der Gruendung der USA existieren, die unselige Entwicklung jetzt foerdern. Aber lassen wir das: kein ausfuehrlicher Diskurs hier.
        Da schicke ich lieber Fruehlingsgruesse: mach’s gut in Dubai,
        Pit

    • Doch, doch, Berlin ist da. Schau nochmal genau hin. Ich hab extra ganz eigenhändig ein Brandenburger Tor gezeichnet. Berlin könnte ich doch niemals vergessen, ich habe schließlich 11 Jahre lang dort gewohnt und auch ein Stück meines Herzens dort gelassen. Musst mal schauen, vielleicht triffst Du es ja irgendwo zwischen Wedding, Neukölln und Lichtenberg :-)

  3. Hallo Peggy,
    ich staune immer nur wenn ich deine abenteuerlichen Zeilen lese. Ich wünsche dass Du, dein Mann und der kleine Entdecker in der Fremde, so weit entfernt von der Heimat, nette Leute kennenlernt.

    Passt auf euch auf! LG, Tanja

    • Herzlichen Dank, liebe Tanja. Wir haben hier mittlerweile sehr viele nette und interessante Leute kennengelernt. Ehrlich gesagt, in London habe ich mir schon lange nicht mehr viel Mühe gegeben, neue Menschen kennenzulernen. Irgendwann hat man einfach einen Kreis von Leuten und hat das Bedürfnis nicht mehr so. In dieser Hinsicht hat sich der Umzug also positiv ausgewirkt. Liebe Grüße, Peggy

  4. Schön, von dir zu lesen, liebe Peggy, und besonders schön, zu lesen, dass ihr begonnen habt, euch einzuleben! Hat denn der Kleine Entdecker schon neue FreundInnen gefunden? Herzliche Grüße aus merry old Germany!

    • Der Kleine Entdecker ist zwar nicht der fleißigste Schüler, aber er hat eine bewundernswerte Gabe, Freundschaften zu schließen. Mittlerweile kann ich mich kaum noch vor Playdate-Anfragen retten 😀 Liebe Grüße in die Heimat, Peggy

  5. Liebe Peggy,
    es ist immer wieder schön, deine Berichte zu lesen und die Bilder zu betrachten und zu bestaunen. Und die Idee des International Day an der Schule finde ich ja ganz prima. Die werde ich mir mal merken, denn die Idee kann ja auch an anderen Schulen wunderbar umgesetzt werden.
    Viele Grüße, Claudia

    • Herzlichen Dank, liebe Claudia. Ja, ich finde die Idee mit dem International Day auch super. Das ist eine der besten Seiten von Dubai: Dieser unbedingte Wille, dass Menschen aus allen möglichen Kulturen friedlich und respektvoll miteinander umgehen. Liebe Grüße und einen schönen Wochenstart, Peggy

  6. Liebe Peggy,
    dein virtueller Sonnenschein ist in Berlin angekommen, er verschafft uns einen sonnigen Tag mit blauen Himmel. Natürlich ist es eiskalt dabei. :-)
    Schön, dass du bald über Berlin berichten willst, ich bin gespannt.
    Natürlich interessiert mich euer neues Leben in Dubai und ich finde deinen deutschen Stand sehr gelungen. Es ist nicht so einfach, das Wesen einer Nationalität zu ergründen.
    Durch meine italienische Freundin beginne ich Italien besser zu verstehen. Ich hätte nicht gedacht, dass es da doch soviele mentale Unterschiede gibt, aber es ist so. Wie groß sind da dann erst die kontinentalen Unterschiede.
    Ich wünsche dir weiter eine schöne Zeit in Dubai,
    liebe Grüße aus Berlin Wedding von Susanne

    • Weißt Du, Susanne, ich habe mich sogar ein bisschen schwer getan mit dem deutschen Stand. Immerhin lebe ich seit vielen Jahren nicht mehr dort. Witzig fand ich auch, dass meine Mitstreiterinnen mich überreden wollten, ein Dirndl zu tragen – so viel zum Aussenbild Deutschlands. 😀 Es ist schon sehr spannend zu beobachten, wie viele Unterschiede es zwischen den Menschen aus verschiedenen Ländern oder gar Regionen gibt, aber auch wie viele Gemeinsamkeiten. Ganz liebe Grüße, Peggy

      • Ich bin vom Dirndl amüsiert, Peggy. Ich besitze nicht mal eines. Du? Neuerdings wird ja auch in Berlin das Oktoberfest mit Dirndl begannen und alle kaufen wie verrückt Lederhosen und Dirndl. Sogar bei C&A gibt es eine ganze Abteilung davon.
        Unsere Gruppe in Afrika war kulturell auch so gemischt, so dass ich gut nachvollziehen kann, wie du dich gefühlt hast. Es ist sehr inspirierend die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erforschen.
        Liebe Grüße von Susanne

      • Nein, ich hab auch kein Dirdl, Susanne, ist irgendwie nicht mein Stil. Und auch wenn ich dafür bin, keine Gelegenheit zum Feiern auszulassen, finde ich persönlich diese Oktoberfest-Manie eher einfallslos. Ich war mal dort -auf dem echten- und fand es zu voll. Außerdem ist dieses sinnlose Betrinken nicht so mein Ding. Da amüsiere ich mich auf einem Mittelalterfest in Chorin oder einem Flößerfest in Lychen mehr. Liebe Grüße, Peggy

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